WebAIM Checkliste für Barrierefreiheit

Häufig wird die Frage nach einer einfachen Checkliste für die Umsetzung barrierefreier Angebote gestellt. Leider ist es gar nicht so einfach, diesem Wunsch zu entsprechen. Die geltenden Empfehlungen zur Barrierefreiheit (WCAG) sind sehr umfangreich und nach den gesetzlichen Vorgaben müssen alle Anforderungen auf einer bestimmten Konformitätsstufe vollständig erfüllt sein.

Die US-amerikanische Initiative WebAIM hat sich an einer in der Sprache und Komplexität vereinfachten Fassung versucht, betont aber auch, dass diese Interpretation der WCAG-Empfehlungen nicht für die Erstellung von politischen Vorgaben geeignet ist. Die Checkliste, die sich an der aktuellen WCAG-Version 2.1 orientiert, kann aber sehr hilfreich bei der Umsetzung und Beurteilung barrierefreier Angebote sein.

W3C: Arbeitsentwurf der WCAG 3.0 veröffentlicht

Logo der Web Accessibility Initiative WAI des W3C. Beschriftung WCAG3 W3C Accessibility Guidelines 3

Die Arbeitsgruppe für Barrierefreiheitsrichtlinien des W3C hat einen ersten öffentlichen Entwurf der Richtlinien für Barrierefreiheit WCAG Version 3.0 veröffentlicht. Die WCAG 3.0 unterscheiden sich in mehreren Punkten von den Vorgänger-Versionen. Eine Neuerung sind die drei Konformitätsstufen „Bronze“, „Silver“ und „Gold“. Für das Erreichen der Stufen „Silver“ und „Gold“ werden ganzheitliche Tests vorausgesetzt. In zukünftigen Entwürfen der WCAG 3.0 werden die erforderlichen Testverfahren genauer erläutert und die Erklärungen durch Beispiele ergänzt. Experten kommentieren, dass die neuen WCAG-Empfehlungen flexibler sein werden, da sie über die Grenzen von Web-Inhalten hinausgehen und ein breiteres Spektrum neuer Technologien abdecken.

Zeigen Sie Engagement: Konformitätserklärung zur Barrierefreiheit

Laut EU-Verordnung 2016/2102 müssen öffentliche Stellen eine Erklärung zur Barrierefreiheit auf Ihren Internet-Angeboten veröffentlichen. Aber auch andere Website-Anbieter können mit einer Konformitätserklärung ihr Engagement für die Barrierefreiheit zeigen. Unterstützt werden sie dabei durch den Accessibility Statement Generator der Firma Siteimprove. Nach Angabe von Basisinformationen, technischer Spezifikationen und den getroffenen Maßnahmen erstellt das Tool automatisch eine entsprechende Erklärung, die auf der Website eingestellt werden kann.

BITV 2.0 aktualisiert

Ende Mai 2019 ist die aktualisierte Fassung der BITV 2.0 in Kraft getreten. Sie setzt die Vorgaben der Richtlinie (EU) 2016/2102 um, die nicht schon 2018 in das novellierte Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) aufgenommen wurden.

Die neue BITV 2.0 gilt weiterhin für alle öffentlichen Stellen des Bundes, wobei nicht nur Einrichtungen der Bundesverwaltung, sondern auch Stellen betroffen sind, die das Vergaberecht anzuwenden haben und dem Bund zuzurechnen sind.

Der anzuwendende Standard wird nun nicht mehr direkt genannt, sondern die Verordnung verweist auf die jeweils im Amtsblatt der Europäischen Union bekannt gemachten harmonisierten Normen. Diese Europäische Norm ist zurzeit die EN 301 549 in der Version V2.1.2 (2018-08). Bei den geforderten Standards geht die neue BITV 2.0 in Teilbereichen über die Europäische Norm hinaus. So müssen zentrale Navigations- und Einstiegsangebote sowie Formulare und andere interaktive Prozesse auf Websites die höheren Standards des Level AAA der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.1) erfüllen.

Die neue BITV 2.0 erweitert den Anwendungsbereich. Neben den Intranets, Extranets und Verwaltungsabläufen sind auch nicht-öffentlich genutzte Apps barrierefrei zu gestalten.

Zukünftig müssen betroffene Website-Anbieter eine Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlichen. Die BITV 2.0 ergänzt diesbezügliche Vorgaben und schreibt vor, dass die Erklärung von jeder Seite einer Website aus erreichbar sein muss. Bei mobilen Anwendungen ist die Erklärung an der Stelle, wo die Anwendung heruntergeladen werden kann, oder auf der Website der betreffenden öffentlichen Stelle zu veröffentlichen. Die Erklärung ist jährlich zu aktualisieren.

Neu ist auch ein sogenannter Feedback-Mechanismus. Nutzer*innen sollen die Möglichkeit haben, direkt Kontakt zur öffentlichen Stelle aufzunehmen und Barrieren rückmelden zu können. Der Mechanismus soll ebenfalls von jeder Seite aus erreichbar sein.

BIK-Prüfverfahren überarbeitet

Das BIK-Prüfverfahren zum Test von Internet-Angeboten nach BITV und WCAG wurde überarbeitet. Die Anpassung erfolgte im Hinblick auf die zu erwartenden Änderungen, die sich durch die Umsetzung der EU-Richlinie 2016/2102 ergeben. Danach ist zu erwarten, dass die BITV zukünftig direkt auf die Anforderungen der DIN EN 301 549 verweist, welche den aktuellen Stand der WCAG 2.1 widerspiegelt. In den Empfehlungen sind nun auch Anforderungen enthalten, die sich explizit auf mobile Ausgabegeräte beziehen. Das BIK-Prüfverfahren wurde diesbezüglich um 12 Prüfschritte erweitert. Ein Prüfschritt entfällt, so dass das neue Testverfahren jetzt insgesamt 60 Prüfschritte umfasst.

Neben den Änderungen bei den Anforderungen wurde auch das Bewertungsschema angepasst. Das ursprüngliche Punktesystem mit den Prüfzeichen 90plus und 95plus entfällt. Zukünftig werden die Angebote analog zum WCAG-Verfahren nur noch als konform oder nicht konform bewertet. Für eine Konformität müssen alle Prüfschritte mit „erfüllt“ oder „eher erfüllt“ bewertet worden sein.